Auch bei stark reglementierten Vorgehensmodellen gibt es Möglichkeiten für Agilität – Programmierung ohne Modellierung ist passé
Mehr Spielraum bedeutet mehr Verantwortung
Durch Modellierungstechniken und agile Vorgehensmodelle befindet sich die Softwareentwicklung im Wandel. Dies bedeutet einerseits mehr Freiraum, stellt aber auch größere Anforderungen an die Persönlichkeit der Entwickler.
Modellierung kann in der Softwareentwicklung vom Skizzieren eines Programms bis zum Modellentwurf nach dem Standard der Unified Modeling Language (UML) reichen. Einige Entwicklungs-Tools erzeugen auf Basis von UML-Modellen sogar Programmcode. Für Professor Andy Schürr von der Technischen Universität Darmstadt werden solche Techniken immer wichtiger: „Die Entwicklung ohne Modellierungsaktivitäten sollte der Vergangenheit angehören.“ Die Modellierung bilde einen integralen Bestandteil der Ausbildung von Softwareentwicklern.
Fast zeitgleich mit dem Einzug von Modellierungstechniken gewinnt der Trend zu agilen Programmiermethoden an Boden. Grundlage dieser Tendenz ist das agile Manifest, das vor drei Jahren von Softwareingenieuren und Methodenexperten formuliert wurde. Grundaussage des Papiers ist es, mehr auf Menschen und Zusammenarbeit als auf Prozesse und Tools zu setzen. Lauffähige Software und mehr Flexibilität bei Änderungswünschen wurden höher bewertet als umfangreiche Dokumentationen und das sture Befolgen von Plänen. Letzteres gilt vielen Entwicklern als Kennzeichen der herkömmlichen, stark reg-lementierten Ansätze. Dazu gehören etwa der Rational Unified Process oder das V-Modell, der Entwicklungsstandard für die IT-Systeme des Bundes. Ein sehr radikaler flexibler Ansatz ist das Extreme Programming (siehe Kasten). Zwischen diesen Gegensätzen haben sich eine Menge agiler Methoden gebildet. Sie versuchen, den Entwicklern mehr Freiraum zu geben, indem sie etwa die Pflicht zur Protokollierung und Dokumentation reduzieren.