Redmond (sk) – Ähnlich wie bei der Anrechnung von Dual-Core-Prozessoren auf die Lizenzkosten prescht Microsoft nun mit einem anwenderfreundlichen Modell für Virtualisierungsumgebungen voran. Ab Dezember muss ein Kunde Serverlizenzen nicht mehr wie bisher pro physikalischem Prozessor zahlen, sondern lediglich pro aktiver Instanz. Und dies gilt auch dann, wenn für die Prozessor-Partitionierung statt der Produkte aus Redmond jene von Vmware eingesetzt werden, dem Marktführer in diesem Bereich. Diese Virtualisierungssoftware ermöglicht es, dass auf einem Server gleichzeitig mehrere Betriebssysteme laufen – oder mehrere Instanzen des gleichen Systems. Jede Instanz verhält sich dabei wie ein eigenständiger Computer.
Wer also beispielsweise einen E-Mail-Server und eine Datenbank-Applikation in virtualisierten Umgebungen auf einem Vierwege- server laufen lässt, muss bis dato zwei Vier-prozessorlizenzen erwerben – auch wenn eine Anwendung tatsächlich nur zwei virtuelle Prozessoren nutzt. Zudem benötigt derzeit jede Virtual Machine eine eigene Betriebssystemlizenz. Mit dem kommenden Modell hingegen brauchen die Kunden nur noch die tatsächlich genutzten zwei Instanzen zu bezahlen. Für Backups auf einer Instanz fallen ebenfalls keine Lizenzge-bühren mehr an.
Microsoft vertraut seinen Kunden dabei: Ein technischer Mechanismus, mit dem die genutzten virtuellen Maschinen gezählt werden, existiert nämlich nicht.
Darüber hinaus erlaubt Microsoft den Anwendern, aktive Instanzen ohne Einschränkungen von einem lizenzierten Server auf einen anderen zu verlagern. Voraussetzung ist lediglich, dass der physische Server für dasselbe Produkt lizenziert ist. Damit erleichtert der Softwerker den Einsatz über mehrere Maschinen hinweg.
Das Lizenzmodell hat Gültigkeit für alle kommenden Server-Produktversionen. Der Windows Server 2003 R2 ist somit als erstes an der Reihe.
Den Absatz der Enterprise Edition will Microsoft durch die Dreingabe von vier kostenlosen virtuellen Instanzen ankurbeln. Experten halten dies auch für notwendig, da die Verkaufszahlen dieser Highend-Version doch zu wünschen übrig lassen.
Mit seinem Vorstoß bietet der Softwareriese den Unix- und Linux-Anbietern Paroli: Sun etwa lässt seine Kunden Solaris-10-Instanzen in beliebiger Anzahl auf einem Server verwenden – ohne Zusatzkosten. Und im Blade-Bereich schnüren die Hersteller derzeit Linux-Komplettpakete, deren Lizenzpreise 30 bis 50 Prozent unter den Einzelpreisen liegen: Nachdem erst HP mit Redhat ein Bündel kreiert hat, folgt nun IBM mit Suse im Schlepptau.
„Dennoch ist es Microsoft hoch anzurechnen, dass sie das ärgerliche Problem angegangen sind, bevor es ein ernsthaftes Wettbewerbsthema wird“, urteilt Gordon Haff, Analyst bei Illuminata, über den Vorstoß. Er wird seiner Meinung nach andere IT-Größen wie IBM oder SAP aus der Reserve locken.